Positionspapier BIM
Zusammenfassung
Wir erstellen seit fast drei Jahrzehnten digitale Gebäude-Modelle und sehen uns in einer optimalen Position um den Anforderungen der Arbeitsmethode BIM gerecht zu werden.

Allerdings so stellt Anica Meins-Becker am 8.2.2017 richtig fest, "dass ein konkreter Leitfaden zur Generierung der AIA [AuftraggeberInformations-Anforderungen] sowie des BAP [BIM-Abwicklungsplan] nicht existiert." [1]

Aktuell arbeiten wir deshalb an der Unterstützung der IFC, denn wir sind uns sicher, dass der Datenaustausch innerhalb der AuftraggeberInformations-Anforderungen des BIM in diesem Format erfolgen wird.
Einführung
"BIM ist keine Software!", da sind sich nicht nur das Unternehmer-Info Bau [2] und das Deutsche Architektenblatt [3] einig.

Bereits im November 2014 hatte Lynn Allen (Autodesk Technical Evangelist) in einer Video-Botschaft gewarnt: "It´s very important for you to understand, that BIM isn`t software - it`s a process." [4]

In ihrer Rede beim Deutschen Obermeistertag in Berlin am 8. November 2016 stellte Laura Lammel [5] noch fest: "Bei uns am Bau schlägt zurzeit immer wieder BIM auf. Es ist in aller Munde! Und es wird als Generallösung für alle Probleme der Digitalisierung in der Bauwirtschaft gesehen, insbesondere in Bezug auf die unzureichende Kooperation der am Bau Beteiligten bei Großprojekten. Beim Verkehrsministerium steht BIM auch als Synonym für die Digitalisierung am Bau. Aber ist es das wirklich? Ich meine nein!"

Bleibt noch zu ergänzen: BIM ist weder ein Datenaustauschformat, noch eine Web-Anwendung bzw. Internet-Applikation.
Building Information Modeling
BIM ist die Abkürzung für Building Information Modeling, was sich grob mit "Gebäudedatenmodellierung" übersetzen lässt.

Laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur bezeichnet BIM: "...eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden.
" [6]

Die Definition der EU BIM Task Group lautet: "BIM is a digital form of construction and asset operations."  [7]

Allerdings ist die Idee dazu nicht neu: das Grundkonzept zu BIM existiert schon seit den 1970ern. [8]
Das digitale Gebäudemodell
BIM basiert auf dem Grundsatz: "Erst virtuell, dann real bauen.". Dazu dient eine gründliche Planung und ein 3D Gebäudemodell, auf das alle Beteiligten zugreifen können sollen und das bereits das Gros aller nötigen Informationen enthält.

Neben den Geometrie-Daten kann das Modell Informationen über Kosten, Zeiten, Energie, Mengen, Hersteller, LV-Texte, DIN Kataloge, Arbeitsvorbereitung, Lieferdaten, Einbauorte, Abnahmedaten, Mengenberechnungen, Mängeldokumentation usw. enthalten.

Dies "bietet Chancen, große Bauprojekte im Zeit- und Kostenrahmen zu realisieren." [9]
Die Vorteile
Für die Notwendigkeit von BIM wird gerne die Entwicklung der Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigen [10] in Deutschland herangezogen. Im Vergleich zum produzierenden Gewerbe lässt sich hier zeigen, dass die Digitalisierung im Baugewerbe (noch) keinen Produktivitätsanstieg bewirkt hat.
 


Dies war u.a. ein Grund für Menschen wie Patrick MacLeamy [11] 1995 die Industrieallianz für Interoperabilität (IAI) zu gründen aus der die internationale buildingSMART-Bewegung wurde. Wenn man die Graphik betrachtet, dann bisher nicht sehr erfolgreich.

Ein weiterer Grund, der gerne angeführt wird, ist die Kostenexplosion bei öffentlichen Großbauten. Die Hertie School of Governance stellte 2015 dazu fest: "Große Bauprojekte werden im Schnitt 73 Prozent teurer als geplant." [12]

Marietta Slomka kommentierte dies im ZDF heute journal mit: "Woran liegt´s? Jedenfalls nicht daran, dass es in Deutschland keine fähigen Architekten, Planer, Statiker und Bau-Ingenieure gibt. Die gibt es zuhauf. Woran sie scheitern ist das System. [...] Ein System in dem öffentliche Bauherrn mit geschönten Zahlen operieren und Projekte beaufsichtigten, denen sie fachlich nicht gewachsen sind."
[13]

Seit dem 20. buildingSMART-Forum[14]  gibt es noch einen weiteren Grund: Die Angst vor den "Disruptoren".  Gemeint sind damit (technische) Innovationen, die bestehende Produkte und Dienstleistungen vollständig verdrängen können. So wie das Smartphone nicht nur das Telefon verdrängte, sondern auch den CD-Player, Zeitungen aus Papier, Fotoapparate usw.
 
BIM in Deutschland
In Deutschland gibt es noch keine allgemein verbindlichen Richtlinien zu BIM.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) treibt den BIM-Gedanken voran um "[die] Innovationsführerschaft beim digitalen Planen und Bauen [zu] übernehmen!" [15]

Der Stufenplan Digitales Planen und Bauen[16] des BMVI  sieht die Einführung von BIM in drei Schritten vor:
  • Nach einer Vorbereitungsphase bis 2017 und
  • einer Pilotphase bis 2020
  • soll BIM ab 2020 bei allen neu zu planenden Projekten des BMVI eingesetzt werden.
Seit Anfang 2015 gibt es die planen-bauen 4.0 GmbH, eine BIM-Umsetzungsgesellschaft um "die beschleunigte Einführung von BIM in Deutschland zu koordinieren und zu unterstützen." [17]

Wichtig ist zu wissen, dass das Bauwesen seit Dezember 2013 (Kabinett Merkel III) in den Aufgabenbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gehört. Die Suche nach "Building Information Modeling" auf den Webseiten des Ministeriums erzielt im Januar 2017 einen Treffer.

Der Koordinierungskreis "Building Information Modeling" (KK-BIM) im Verein Deutscher Ingenieure (VDI) arbeitet an der Richtlinienreihe VDI 2552 bestehend aus neun Blättern. Das erste (Blatt 3) wurde im Janaur 2017 veröffentlicht.
IFC
IFC ist die Abkürzung für Industry Foundation Classes, einem offenen Standard im Bauwesen zur digitalen Beschreibung von Gebäudemodellen, definiert von der buildingSMART Organisation.

Der buildingSMART e.V. ist der nationale Chapter der buildingSMART Organisation, die im Juni 1995 in den USA gegründet wurde. Ziel des buildingSMART e.V. ist die "Erfolgreiche Entwicklung, Anwendung und Verbreitung von offenen IT Standards und Prozessdefinitionen für Interoperabilität wie den Industry Foundation Classes (IFC)." [18]

IFC4 ist das aktuelle Release [19] und wird Anfang 2017 zur DIN EN ISO 16739.[20]

Das BMVI hat die Arbeitsgemeinschaft BIM4INFRA 2020 beauftragt die Voraussetzungen für die Umsetzung des Stufenplans Digitales Planen und Bauen zu schaffen. In diesem Zusammenhang steht auch die Entwicklung von Standards für den Infrastrukturbereich. IFC Rail, IFC Road, und IFC Bridge sollen zukünftig die noch hochbauspezifische Version IFC4 erweitern und zur Version IFC5 werden[21].
BIM weltweit
"In den USA, Großbritannien und den skandinavischen Ländern ist der Einsatz der Planungsmethode BIM bereits etabliert oder wird seitens des Gesetzgebers gefordert und gefördert." [22]

Eine Ursache für die Zurückhaltung in Deutschland, ist lt. Dr. Andreas Koenen das kontinentaleuropäische Rechtssystem, dass - im Gegensatz zum britischen Common Law - die Umsetzung neuer Formen wirtschaftlicher Zusammenarbeit nicht gerade fördert. [23]
BIM bei Computertechnik Buchholz
Für die Computertechnik Buchholz liegen die Vorteile von BIM klar auf der Hand.

Die Richtlinienreihe VDI 2552 stellt eine Reihe von Mindestanforderungen an alle Fachmodelle. Die ersten Vier [24] sind:
  1. Ein BIM [Modell] ist so zu modellieren, wie später auch gebaut wird
  2. Das Gebäudemodell ist mit Blick auf das spätere Bauwerk und dessen geplante Errichtung zu strukturieren. Dabei sind bei allen Fachmodellen Gebäudeteile, Geschosse, Bauabschnitte, die sich aus der Herstellungsreihenfolge ergeben, u.a. zu beachten.
  3. Kollisionen insbesondere zwischen gleichen Objekttypen aufgrund einer unsauberen Arbeitsweise sind nicht zulässig. Eine Kollision in diesem Sinne ist z.B. eine Verschneidung zwischen Wand und Decke.
  4. Nicht geometrische Informationen sind neben geometrischen Informationen ein fester Bestandteil der Modellobjekte. Im Projektabwicklungsplan ist eindeutig zu vereinbaren welche Parameter ein Objekt enthalten muss, wer die Parameter definiert und wer die Informationen einträgt.
Unser ACAD-BAU basiert auf einem echten 3D-Gebäudemodell bestehend aus untereinander verknüpften BIM-Bauteilen bzw. BIM-Objekten. Es erfüllt die Anforderungen nach VDI 2552 und bietet zusätzlich eine Reihe von Wettbewerbsvorteilen:
  • Das Modell ist die Basis für Präsentationen und Visualisierungen.
  • Es liefert alle Pläne, ob Grundrisse, Ansichten, 2D-Schnitte oder 3D-Schnitte.
  • Es liefert exakte Massen als Grundlage für Ihre Mengenermittlung, Ausschreibung und die Kalkulation der Kosten.
  • Es liefert die erforderlichen Daten zum Betrieb und zum Unterhalt des Gebäudes.
Als Mitglied im buildingSMART e.V. beobachten wir die Entwicklungen sehr zeitnah und werden den zukünftigen Anforderungen, insbesondere bei der Umsetzung des Stufenplans Digitales Planen und Bauen, entsprechend reagieren. Der Schlüssel dazu wird in der Unterstützung der IFC liegen.

Was die kooperative Arbeitsmethodik angeht, so wird hier sicherlich ein Paradigmenwechsel von Nöten sein. Und auch der häufig zitierte Know-how Transfer wird nicht von heute auf morgen zur Selbstverständlichkeit werden.

Und wer haftet eigentlich für Fehler an BIM-Modellen? Und wie wird geistiges Eigentum zukünftig geschützt? Auch diese Fragen sind noch unbeantwortet.
Einzelnachweise
  1. Anica Meins-Becker "Status quo BIM Standardisierungsprozess", DETAIL.de, 08.02.2017
  2. "BIM: eine Chance für das Baugewerbe?", Zentralverband des Deutschen Baugewerbe, 12/2015
  3. "BIM: Methode, nicht Software", Deutsches Architektenblatt 06/2016
  4. "Lynn Allen on BIM", www.youtube.com/watch?v=TFLX5d1y2mM abgerufen am 20.05.2015
  5. Koopt. Mitglied des Vorstands des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, Stv. Obermeisterin der Baugewerbe-Innung München
  6. Digitales Planen und Bauen – Stufenplan zur Einführung von Building Information Modeling (BIM), Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, 2015
  7. "Handbook for the Introduction of Building Information Modelling by the European Public Sector", EU BIM Task Group, 2017
  8. BIM-Leitfaden für Deutschland, Forschungsinitiative ZukunftBAU, Endbericht 2013
  9. "So werden Baudesaster wie der BER künftig vermieden", Die Welt,15.04.2014
  10. Inlandsproduktsberechnung - Lange Reihen ab 1970, Fachserie 18 Reihe 1.5 - 2015, Statistisches Bundesamt
  11. Patrick MacLeamy war geschäftsführendes Vorstandsmitglied im US-amerikanischen Architekturbüro Hellmuth, Obata + Kassabaum (HOK)
  12. "Großprojekte in Deutschland – Zwischen Ambition und Realität", Studie der Hertie School of Governance, 2015
  13. "Wir können alles, außer bauen", ZDF heute journal vom 19. Mai 2015, www.youtube.com/watch?v=nTUINita5kY
  14. Das 20. buildingSMART-Forum fand am 19. Oktober 2016 im Berliner Westhafen statt.
  15. Strategiepapier Digitale Souveränität zum zweiten Zukunftsforum zur Digitalisierung des Bauens im BMVI, 24.01.2017
  16. Stufenplan Digitales Planen und Bauen, BMVI, 2015
  17. Mission statement, www.planen-bauen40.de, aufgerufen am 03.06.2016
  18. buildingSMART Ziel, www.buildingsmart.de/buildingsmart-ev, aufgerufen am 03.06.2016
  19. www.buildingsmart-tech.org/specifications/ifc-releases/summary, aufgerufen am 03.06.2016
  20. Umsetzung des Stufenplans Digitales Planen und Bauen - Erster Fortschrittsbericht, BMVI, Januar 2017
  21. Umsetzung des Stufenplans Digitales Planen und Bauen - Erster Fortschrittsbericht, BMVI, Januar 2017
  22. "Was ist eigentlich BIM?", www.bimwelt.de/bim/erklaerung, aufgerufen am 03.06.2016
  23. "Die BIM­Methode, eine Herausforderung, auch für Baujuristen", Dr. Andreas Koenen (RA und FA für Bau- und Architektenrecht), 25.05.2016
  24. VDI 2552 Blatt 1 BIM – Rahmenrichtlinie "Über das Entstehen einer neuen Richtlinie“, Vortrag Dipl.-Ing. Alexander Kuhn

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